Reutter heute

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Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus

Ich habe drüber nachgedacht,
was tät ich voller Freud'
wenn's plötzlich heißt der Krieg ist aus,
wir haben Frieden heut.
Daß wir gewinnen endlich,
setz ich dabei voraus,
denn früher selbstverständlich,
da ist der Krieg nicht aus.

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
mein Erstes wäre dann,
ich trink mir einen Siegesrausch
von einem vollen Fass.
Wer niemals einen Rausch gehabt,
der ist kein braver Mann,
Sie soll'n mal sehn' nach dem Krieg,
wie brav ich werden kann.

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
zieh'n unsre Krieger ein,
ich geh ans Brandenburger Tor
und fange an zu schrein.
Bin leider 46 Jahr,
drum braucht ich nicht mit raus,
wenn das bloß ein Jahr früher war,
dann wards schon lange aus.

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
geh' ich zum Hindenburg,
ans Denkmal mit 'nen Nagel hin,
und schlag ihn durch und durch,
dann steig ich vom Gerüst herab
und fröhlich werd' ich sagen,
ich bin der stärkste Mann,
ich hab' den Hindenburg geschlagen.

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
geh' ich in's Schloß hinein,
da vor dem kaiserlichen Schloß,
sing ich die "Wacht am Rhein",
Und sagt zu mir der Posten schroff
"hinaus" - ich bleibe da,
und wenn der Kaiser selber kommt,
ich rufe laut "Hurra!".

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
häng' ich 'ne Fahne raus,
von 20 Meter länge,
fünf Stockwerk aus dem Haus,
Wenn unten wer vorübergeht
und dieser Kerl wird grob,
weil sie ihm ins Gesichte weht,
den Spuck ich uff'n Kopp!

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
gibts Butter - Gott sei dank,
die ganze Marmelaaade
die fliegt dann aus dem Schrank.
Ich esse alles was mir frommt,
selbst Kaviar leist' ich mir,
und wenn er auch aus Russland kommt,
da kann er nischt dafür!

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
dann Reis' ich soweit ich kann,
Ich seh' mir Deutschland, die Türkei
und alle Länder an.
Doch werd' ich niemals wieder
rein nach Italien geh'n,
die Makaroni-Brüder,
die will ich nicht mehr seh'n.

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
hab' ich 'ne Menge Geld.
Z.B. kommen oft Kinder ohne Eltern auf die Welt.
Die bringt man dann in's Findelhaus,
da zahl ich mancherlei,
man kann nie wissen, es ist vielleicht
och eins von mir dabei.

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
und ich sing mein Gesang,
grad oben geh' ich los
und denk "rutsch mir den Buckel lang",
ich ruf - und wenn sie alle grollen -
"Hier haben' sie ihr Entrée,
nun singen sie selber wenn sie wollen,
ich pfeiff auf's Varietee!"

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