So ändern sich die Zeiten
Der Lehrer lehrte einst dem Kind,
Das manche Räume luftleer sind,
Heut möcht ich das bestreiten.
Denn wir fahr`n in der Luft umher -
Luftleere Räume gibt`s nicht mehr -
So ändern sich die Zeiten.
`ne Säng`rin trug eins schwarzes Haar,
dann sah ich blond - `s ist sonderbar -
Sie auf die Bühne schreiten.
Dann trug sie braunes - auch nicht schlecht -
jetzt trägt sie graues - das ist echt.
So ändern sich die Zeiten.
Einst hatte man die Dichter lieb,
wer herrliche Gediche schrieb,
kont Freude uns bereiten.
Heut sind Versbücher nicht modern,
perverse Bücher liest man gern,
So ändern sich die Zeiten.
Jüngst ein Minister morgens saß
vor seiner Zeitung und er las
und dacht: Was soll`s bedeuten?
Ich war doch munter stets bisher -
nun les ich, daß ich kränklich wär.
Schnell ändern sich die Zeiten.
Einst sprach Papa in strengem Ton:
"Ins Variete, mein lieber Sohn,
Darfst du mich nicht begleiten."
Heut sagt der Sohn: "Ich muß erst sehn,
wies`s ist - dann darf auch Vater gehn."
So ändern sich die Zeiten.
Wir ließen 70 - `s war famos -
die fünf Milliarden vom Franzos
in unsre Kasse gleiten.
Wer heut in Deutschlands Kasse sieht,
sieht fünf Milliarden Defizit.
So ändern sich die Zeiten.
Einst sprach die Mutter: " In der Nacht,
hat dich, mein Kind, der Storch gebracht.
Glaubst nicht, wie wir uns freuten."
Doch heut`gen Tag`s - ich wette drauf -
die Tochter klärt die Mutter auf.
So ändern sich die Zeiten.
Einst konnt ne Frau im Sachsenland
Den Mann, der ihr am nächsten stand,
zum Königsthron begleiten.
Jetzt nahm nen andern sie dafür -
und den begleit`t sie - am Klavier -
So ändern sich die Zeiten.
Einst konnt man bei der Feldermaus
nach der Musik von Johann Strauß
im Walzertempo schreiten.
Heut tnanzt bei Richard Strauss - o weh -
mit Johanns Kopf die Salome.
So ändern sich die Zeiten.
Es rettet - Sie wissens wohl -
die Gänse einst ein Kapitol.
Heut , bei gewissen Leuten -
kriegt erst die Gans ein "Eh`gemohl" -
und dann kriegt er ihr "Kapitol"
So ändern sich die Zeiten.
Einst ward der Zeppelin verlacht.
Bevor er seinen Weg gemacht,
gab`s viele Schwierigkeiten.
Und heute steht er obenan
als des Jahrhunderts größter Mann.
So ändern sich die Zeiten.
Herr Haby sagt: "Man hat`s nicht leicht.
Erst hieß es stets: Es ist erreicht!
Beim Bart seit langen Zeiten.
Heut sagt mir jeder: Nehm`n Sie trab
die Spitzen von den Seiten ab."
So ändern sich die Zeiten.
Einst galt das Zentrum abgetan.
Heut aber sieht man den Herrn Spahn
die Reichstagsglocke läuten.
Und die Minister, die ihm nah`n,
sag`n: "Sei bedankt, mein lieber Spahn!"
So ändern sich die Zeiten.
Einst stand voll Stolz die Mutter da.
Bald ward sie Schwiegermamama,
weil jung die Töchter freiten.
Heut Schwiegermutter sein, hält schwer.
Großmutter wird sie oft viel eh`r.
So ändern sich die Zeiten.