Dann hast du den verzeihenden, befreienden Humor
Hab‘ stets Humor - du brauchst ihn jetzt,
erleicht‘re dir dein Los.
Wenn du gering die Bürde schätzt,
scheint dir die Last nicht groß.
Und fall‘n die Schläge hageldicht,
ein Trost sei dir vergönnt:
‘s ist nichts so traurig, daß man nicht
darüber lächeln könnt‘.
Drum, was geschieht, mach‘ dir nichts draus,
lach‘ DU, dann lacht man DICH nicht aus.
Und gärt‘s in allen Ländern,
dann denk‘: „Ich kann‘s nicht ändern.“
Sing‘ dir ein Lied, geht‘s nicht im Baß,
dann sing‘ es im Tenor,
dann hast du den verzeihenden, befreienden Humor.
Den größten Ärger immerfort
bringt heut‘ das Personal.
Hast ‘ne Fabrik du - streikt man dort,
dann schließ‘ sie und bezahl‘.
Hast du ‘nen Hausknecht, der die Schuh‘
dir nicht mehr putzen möcht‘,
dann schmeiß ihn raus, und dann sei du
dein eig‘ner Stiefelknecht.
Wer niemand braucht, ist Herr im Haus,
streikt deine Dienstmagd, schmeiß‘ sie raus.
Wenn deine Frau dann predigt,
AUCH raus, dann ist‘s erledigt,
Dann schmück‘ dein Heim und koch‘ mit Gas
und sei DEIN Matador,
dann hast du den verzeihenden, befreienden Humor.
Ein hohes Tier ward mancher Mann
jetzt von den Linkspartei‘n.
Voll Stolz und Würde zieht der dann
in ’nen Palast hinein.
Doch glaub‘ ich, manchmal wird ihm kühl
in des Palastes Pracht –
er hat zuzeiten das Gefühl,
als ob sein Diener lacht.
In dem Palais, einst königlich,
fühlt er sich nur gewöhniglich,
fragt heimlich seine Lieben
„Wie wird ,Paläh‘ geschrieben?“
Und dann stell dir erst seine Frau
als „Exzellenz‘sche“ vor!
Dann hast du den verzeihenden, befreienden Humor.
KOPFarbeit schätzt man heut‘ sehr knapp,
der KÖRPER ist Despot
Doch merk‘: Schlägt man den Kopf ihm ab,
dann ist der Körper tot.
Die Glieder lenkten gern die Welt,
dem Geiste geht‘s nicht gut.
Die Welt ist auf den Kopf gestellt,
und das gibt böses Blut.
Denn stellst ‘nen Mensch du auf den Kopf
dann steigt das Blut ihm in den Kopf.
Laßt uns die Glieder loben,
jedoch der Kopf sei oben.
Die Beine ewig in der Luft -
stell‘ dir den Staat mal vor,
dann hast du den verzeihenden, befreienden Humor.
Sei wunschlos glücklich, wer das kann –
‘ne Wohnung braucht nicht sein.
Schau‘ dir die alten Deutschen an,
Die schliefen auch im Frei‘n.
Wozu noch Kleidung? Adam ging
auch nie zum Schneider hin,
und Essen - schätze es gering,
es bleibt ja doch nicht drin.
Wo nichts zu hol‘n, bricht keiner ein.
Fürs letzte Geld trink‘ ein Faß Wein,
und kommen dann die Lumpen,
dann soll‘n sie dir was pumpen.
Nimm‘s Faß, mach‘s wie Diogenes
und setze dich davor,
dann hast du den verzeihenden, befreienden Humor.
Der Staat nimmt alles - denk mal an,
hätt‘st hunderttausend Mark,
zahlst du als Reichsnotopferlamm
die Hälfte von dem Quark.
Dann kommt die Rentensteuer schon,
bleib‘n zwanzigtausend stehn,
dann zehn Prozent vom Arbeitslohn,
dann bleiben dir noch zehn.
Zuwachs von früher - bleiben drei,
Gerichtsvollzieher - bleiben zwei.
Dann mußt du dich beköst‘gen,
dann bleibt dir noch ein Restchen.
Davon läßt du die Stiefel sohl‘n
und kaufst dir ‘n Trauerflor,
dann bleibt dir der verzeihende, befreiende Humor.
Einst lebten gern wir auf der Welt,
der Abschied fiel uns schwer.
Heut‘, wo die Welt uns nicht gefällt,
schreckt uns kein Ende mehr.
Das ist doch fein, drum merke dir:
Das haben wohlbedacht,
die schuld sind an dem Elend hier,
mit Absicht so gemacht.
Sie haben dir die Welt vergällt,
daß dir der Abschied leichter fällt.
Drum, nicht mit ihnen zanken,
Du mußt dich noch bedanken.
Du scheidest leicht - drum freue dich
und schwinge dich empor,
dann hast du den verzeihenden, befreienden Humor.