Am Fenster


1. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Es gehn den langen, lieben Tag
viel Leute dort vorbei.
Ich habe oft das Singen satt,
dann wohn ich in ‘ner kleinen Stadt.
Dort hab ich mir gemietet
ein nettes, kleines Haus.
Dann steck‘ ich mir die Pfeife an
und guck zum Fenster raus.

2. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Um acht kommt der Professor
an meinem Haus vorbei.
Scheint auch die Sonne noch so warm,
er trägt den Regenschirm im Arm,
der ist ihm unentbehrlich,
wie auch die Sonne glimmt.
Doch wenn er‘n mal vergessen hat,
dann regnet‘s ganz bestimmt.

3. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Der Postbriefträger kommt um neun
an meinem Haus vorbei.
Dann ruft so manche Maid: „Herr Schmidt,
hab‘n Sie für mich kein Brieflein mit?“
Und wenn er „Nein“ sagt, schimpft sie.
Doch er sagt dann zu ihr:
„Wenn der infame Kerl nicht schreibt,
kann ich doch nichts dafür.“

4. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Um zehn Uhr reitet Rentier Protz
an meinem Haus vorbei.
Er reitet jeden Morgen aus
und kommt nie mit dem Pferd nach Haus.
Die beiden sind nicht einig,
mal kommt das Pferd zu früh
und mal ist er der erste, doch
zusammen komm‘n sie nie.

5. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Um elfe fährt der Bauer Sepp
an meinem Haus vorbei.
Seh ich den Wagen nur - im Nu
halt ich mir schon die Nase zu.
Der Wagen hat ‘ne Länge,
die unerträglich ist.
Ich glaube, daß drei Meter
ein solcher Wagen - mißt.

6. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Um zwölfe kommt das Militär
an meinem Haus vorbei.
Die dicke Köchin nebenan
winkt ‘nen Soldaten zu sich ran.
„Komm zu mir in die Küche“,
sagt sie voll Liebeslust,
„da kriegst du meinen Schinken
und meine Gänsebrust.“

7. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Um zwei kommt der Gerichtsvollzieh‘r
an meinem Haus vorbei.
Zu mir, da kommt er nicht hinein –
die Pfändung würde fruchtlos sein.
Ich kann den Kerl nicht leiden.
Als er nicht hingeguckt,
hab’ ich ihm jüngst von oben auf
die Mütze ‘rauf gespuckt.

8. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Zweimal am Tage kommt (pardon!)
der Schweinehirt vorbei.
Der bläst ein Lied auf der Schalmei,
die Schweine strömen dann herbei.
Am Abend komm’n sie wieder,
woraus man schließen mag:
Wir hab’n in uns’rer Stadt des Nachts
mehr Schweine wie am Tag

9. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Um sechs kommt Fräulein Adelheid
an meinem Haus vorbei.
Die alte Jungfer, ‘s ist zu dumm,
führt stets ‘nen Hund mit sich herum.
Sie hält ihn an der Leine
und an ‘ner jeden Eck,
da bleibt das Hündchen stehen und
sie guckt solange weg.

10. Am Fenster, am Fenster,
da sieht man mancherlei.
Um neun fängt‘s an zu dämmern,
dann ist der Tag vorbei.
Dann schleicht ganz sacht beim Mondenschein
mein Liebchen in mein Haus hinein.
Dann pfeif ich auf die Pfeife,
ich stell sie weg im Nu.
Dann wird mein Fenster finster und
ich mach die Klappe zu.

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