Warum, warum, warum?
1. Auf dieser Welt so wunderlich
ist manches sehr absunderlich,
Wenn ich mir so die Welt betracht’,
dann gebe ich auf alles acht,
dann staun’ ich manchmal und ich brumm’:
Warum, warum, warum?
2. Erst kommt man ungewollt zur Welt,
man rafft, man schafft, man ringt nach Geld,
man sitzt und schwitzt und lernt sehr viel,
uns wenn man glaubt, man ist an Ziel,
dann heißt es: „Deine Zeit ist um!“
Warum, warum, warum?
3. Die Menschen sind nicht alle gleich –
Der eine arm, der and’re reich –
der eine lebhaft, einer stumm –
der eine grad’, der and’re krumm –
der eine klug, der and’re dumm –
Warum, warum, warum?
4. Weil Eva einst im Paradies
den Apfel dort nicht hängen ließ,
deshalb verschloß man UNS die Tür –
doch WIR könn’n schließlich nichts dafür…
Zur Strafe geh’n wir draußen ’rum –
Warum, warum, warum?
5. Im Kriege glaubten wir allein,
der Herr wird uns den Sieg verleih’n.
Zum Himmel sah’n wir täglich auf,
„Gott strafe England!“ schrien wir rauf –
er strafte UNS und dreht’ sich um.
Warum, warum, warum?
6. Hoch leb’ die Schupo-Polizei!
Man sieht nicht einen – immer zwei.
Nur halb freut freut sich der Mensch allein –
es müssen immer zweie sein.
Wenn was passiert, dann kehr’n se um.
Warum, warum, warum?
7. Der Herrgott schaut vom Himmelsblau
herab auf Oberammergau:
„ICH starb einst arm auf dieser Welt –
DIE frommen Leut’, für schweres Geld
kopier’n se mich und bring’n mich um.
Warum, warum, warum?
8. ’nen König, der dreitausend Jahr’
in seinem Grab gelegen war,
den störte man in seiner Ruh’.
Er denkt: ,Laßt doch den Deckel zu!
Was dreht ihr mich im Grabe ’rum,
Warum, warum, warum?´
9. Das Tier geht nackt seit alter Zeit –
WIR hüll’n uns ein voll Sittlichkeit,
obwohl Natur stets recht behält.
Und auch der Mensch kommt nackt zur Welt,
erst nachher häng’n se uns was um –
Warum, warum, warum?
10. Wenn wir wen treffen, frag’n wir stets
gedankenlos und schnell: „Wie geht’s?“
Dann geh’n WIR weiter und DER steht,
’s ist uns ganz schnuppe, wie’s dem geht.
Wir fragen bloß so blöd und dumm –
Warum, warum, warum?
11. Wenn wir mal gehen zum Friseur
spricht ganz bestimmt vom Wetter er.
Dabei komm’n wir von draußen her
und wissen’s besser als wie der.
Doch er erzählt’s dem Publikum,
warum, warum, warum?
12. Wenn heut’ein junges Mädchen freit,
fragt man nach der Vergangenheit –
ob sie gelebt nach der Moral –
wie ER gelebt hat, ist egal.
Dem Mann nimmt man so leicht nichts krumm.
Warum, warum, warum?
13. Vom Reichstag meldet der Chronist
’s kommt in die Höll’ der Kommunist
die meisten anderen Partei’n,
die komm’n in’s Fegefeuer rein –
im Himmel sitzt das Zenterum.
Warum, warum, warum?
14. Es sagt die Frau zu ihrem Mann:
„Ihr Männer seid stets besser dran!
Ihr drückt uns liebestoll an’s Herz,
Wir Frauen hab’n nachher den Schmerz –
und ihr habt nur das Gaudium…“
Warum, warum, warum?
15. Ein Rennpferd denkt: ,Was habe ich?
Man sitzt auf MIR und setzt auf MICH.
Gewinn’ ich, kriegt mein Herr den Preis,
dafür sie jagen mich in Schweiß
und drehen mich im Kreis herum –
Warum, warum, warum?´
16. So gibt’s auf Erden mancherlei,
wo man sich fragt, warum das sei –
das Beste, liebes Publikum,
wird sein, man schert sich nicht darum –
man lebt froh in den Tag hinein,
man denkt bei sich: ,Das muß so sein.´
und pfeift auf das Warum.